|
Das Österreich der Zwischenkriegszeit konnte Drucker eine gute Erziehung und Ausbildung, aber keine Perspektive bieten und so ging er 1927, nach der Matura am Döblinger Gymnasium, nach Hamburg, um ein Lehrjahr in einem alteingesessenen Handelshaus zu absolvieren.
Gemeinsam mit Drucker begannen sieben weitere Abiturienten eine Kaufmannslehre - ein Novum für das, auf den Export von Baumwolle spezialisierte Handelshaus, denn bis dahin waren die Stellen innerhalb des Unternehmens vererbt worden. "Herr Simonis, der Zwölfte", der Büroleiter, hielt allerdings wenig von dieser Neuerung. Er empfing Drucker und seine Kollegen mit den Worten: "Meine Herren, Sie haben viel zu viel Schule, um in der Wirtschaft bestehen zu können", und kümmerte sich nachfolgend kaum um die Auszubildenden. "Wir haben nichts gelernt, absolut nichts. Es war furchtbar langweilig", erinnert sich Drucker und fügt lächelnd hinzu: "Die Textilindustrie befand sich damals bereits im Niedergang. Wenn eine Industrie im Abstieg ist, sagt man immer: Wir brauchen bessere Leute. Wenn Sie von einer Industrie hören, dass man das sagt, verkaufen Sie die Aktien."
Hinzu kam, dass Drucker kaum Geld und große Verständigungsschwierigkeiten hatte: "Damals hat man ja in Hamburg fast nur Platt gesprochen und ich habe kein Wort verstanden." Dennoch sieht er das Jahr in Hamburg nicht als verlorenes an: "Ich habe viel gelesen - Romane und Geschichte, vor allem 19. Jahrhundert. Auch viel englische, französische, spanische und italienische Literatur." Und er entdeckte das Werk des dänischen Philosophen Kierkegaard, das damals noch kaum in deutscher Übersetzung vorlag und das einen nachhaltigen Einfluß auf ihn ausüben sollte.
>> Peter Drucker als Journalist
|