Biographie
Peter Drucker als Nazi-Gegner

 
 
Anfang der Dreissiger Jahre begnügte sich Drucker nicht mehr mit der Rolle des Chronisten, sondern beteiligte sich - obwohl österreichischer Staatsbürger - auch aktiv an der deutschen Politik: Er engagierte sich für die "Volkskonservative Vereinigung" um den ehemaligen U-Boot-Kapitän Treviranus, der ein Held des Ersten Weltkrieges und Minister im Kabinett Brüning war.

Die "Volkskonserative Vereinigung" war 1929 als Abspaltung einiger Abgeordneter von der "Deutschnationalen Volkspartei" entstanden, die sich gegen eine Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten unter Alfred Hugenberg wandten, der im selben Jahr den DNVP-Vorsitz übernommen hatte. In einer Eintragung über den volkskonservativen Politiker und späteren Widerstandskämpfer Paul Lejeune-Jung bemerkte Karl Dieter Bracher in seinem Buch "Das Gewissen steht auf. Lebensbilder aus dem Deutschen Widerstand 1933-45" (Mainz, 1984), die Gründer der "Volkskonservativen Vereinigung" hätten "alle staatsbejahenden, konservativen und dennoch freiheitlich gesinnten Kräfte sammeln" wollen. "Aber ihr Einfluß und die Anziehungskraft der Gruppe reichten nicht aus, um solche Pläne zu verwirklichen."

Drucker vermutet im Rückblick, dass die Gründung der "Volkskonservativen Vereinigung" auf eine Initiative Konrad Adenauers zurückgegangen ist, der damit die gemäßigte Rechte stärken und eine politische Kraft schaffen wollte, die vor allem protestantische Wähler ansprach. Bismarcks Kulturkampf wirkte damals noch nach und machte es vielen, vor allem norddeutschen Konservativen schwer für das katholische Zentrum zu stimmen.

Über Gustav Stolper, der ebenfalls gebürtiger Österreicher und Herausgeber der Wochenzeitung "Der Deutsche Volkswirt" war ("Er war jüdischer Abstammung und emigrierte dann in die USA. Er ist der eigentliche Vater des Marshall-Plans"), kam Drucker zur "Volkskonservativen Vereinigung", deren Jugendvorsitzender er in der Folge sogar wurde. "Das Problem war nur, dass es keine Jugend gab", merkt Drucker heute selbstironisch zum mangelnden politischen Erfolg der "Volkskonservativen" an.

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