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Eine der Aufgaben von Peter Drucker als Jugendvorsitzender war es, prominente Konservative, deren Gegnerschaft zu den Nazis bekannt war, für die neue Partei zu gewinnen. Drucker erinnert sich in diesem Zusammenhang an Zusammentreffen mit dem Staatsrechtler Carl Schmitt und dem Schriftsteller Ernst Jünger, die er gegen Ende der Weimarer Republik vergeblich zu einer Parteinahme für die "Volkskonservativen" zu überreden versuchte. Vor allem das Treffen mit Schmitt verlief aber in einer sehr freundschaftlichen Atmosphäre. Schmitt bestärkte Drucker dabei in seinem Vorhaben, nach Köln zu ziehen - Drucker lag damals ein konkretes Angebot vor, als Außenredakteur für die Bereiche Politik, Wirtschaft und Kultur zur angesehenen "Kölnischen Zeitung" zu wechseln. Schmitt riet Drucker auch, seine nebenberufliche Assistententstelle am Seminar für Völkerrecht, die er seit seiner Promotion 1931 innehatte, aufzugeben und eine Privatdozentur an der Universität Köln anzustreben. Schmitt machte ihm sogar das Angebot, in Köln seine Habilitationsschrift zu betreuen, "obwohl", wie Drucker anmerkt, "es Schmitt natürlich völlig klar war, dass meine weltanschauliche Überzeugung gar nicht mit der seinen übereinstimmte."
Druckers Habilitationsschrift hätte den Titel "Der Rechtsstaat" tragen und drei Protagonisten der preußischen Geschichte im 19. Jahrhunderts behandeln sollen: den Universitätsgründer Wilhelm von Humboldt, den General und katholischen Politiker Joseph von Radowitz, und den Staatsrechtler Friedrich Julius Stahl. Die Arbeit wurde nie fertiggestellt, Hitlers Machtübernahme durchkreuzte Druckers Karrierepläne sowohl im journalistischen wie im akademischen Bereich.
Einen Teil der geplanten Habilitationsschrift hat Drucker allerdings zur Niederschrift gebracht - knapp dreißig Seiten, die den konservativen Staatsrechtler Friedrich Julius Stahl zum Inhalt hatten. Ehe er Deutschland verließ, gelang es Drucker Ende April 1933 noch, die Abhandlung im renommierten Verlag J.C.B. Mohr in Tübingen zu veröffentlichen - sie war eine klare Absage an den Nationalsozialismus, denn Stahl war nicht nur der bedeutendste Politiker Preußens vor Bismarck, sondern auch jüdischer Herkunft gewesen. Drucker wollte die konservativen Eliten damit an ihre eigene Tradition erinnern und davor warnen, gemeinsame Sache mit dem "totalen Staat" der Nazis zu machen.
Die kleine Schrift konnte am Lauf der Ereignisse nichts ändern, blieb aber dennoch nicht ohne Wirkung: Walter Hallstein, nach dem Krieg einer der Gründer und erster Präsident der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, erzählte Drucker im Jahre 1970 bei einer Veranstaltung in Salzburg, dass er damals als junger Jurist durch die Lektüre der "Stahl"-Schrift dazu angeleitet worden sei, klare Distanz zu den neuen Machthabern zu wahren.
>> Druckers Emigration nach England
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