Biographie
Druckers Emigration nach England

 
 
Drucker verließ Deutschland in Richtung London, wo er zunächst bei der Versicherungsgesellschaft Prudential und dann als Chefökonom einer Privatbank Arbeit fand. Über den Leiter der Bank, einen gebürtigen Österreicher, kam Drucker in den Jahren 1934/35 auch zu einem Platz im legendären Seminar von John Maynard Keynes in Cambridge, die er als theatralische Selbstinszenierungen in Erinnerung hat: "Ich habe dort sehr rasch gelernt, dass ich kein Nationalökonom bin und dass mein Interesse mehr den Menschen und der Gesellschaft gilt."

In London traf Drucker Doris Schmitz wieder, eine gebürtige Mainzerin, die er in seinem Völkerrechtsseminar an der Universität Frankfurt näher kennengelernt hatte. Anfang 1934 heiratete das Paar. Es war der Beginn einer sehr glücklichen Ehe, die bis heute anhält. Das Ehepaar Drucker hat vier Kinder großgezogen, das erste - Kathleen - kam im September 1938 zur Welt.

Bereits unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hatte Drucker begonnen, seine in Deutschland gemachten Erfahrungen niederzuschreiben und zu analysieren. 1936 war eine erste Fassung davon in einem Wiener Verlag erschienen, im Frühjahr 1939 kam Druckers Analyse dann in erweiterter Form und auf englisch unter dem Titel "The End of Economic Man" heraus. Drucker verwarf darin die gängigen Erklärungsmodelle für den Aufstieg von Faschismus und Nationalsozialismus, wie sie vor allem von linker Seite vertreten wurden. Er sah die Ursachen tiefer liegend: Zum einen sehr wohl in einem Versagen des Kapitalismus, dessen Befürworter seit Adam Smith postuliert hatten, dass eine freie und sozial gerechte Gesellschaft nur auf dem Weg der wirtschaftlichen Weiterentwicklung in einer freien Wirtschaft zu erreichen wäre. Der Erste Weltkrieg hatte diesem Postulat die Glaubwürdigkeit genommen, die Menschen der Zwanzigerjahre fühlten sich schutzlos den unberechenbaren Kräften des freien Marktes ausgesetzt. Eine im geschichtlichen Vergleich eher milde Depression wie die von 1929 reichte in der Folge aus, dass sich die Menschen endgültig von der freien Marktwirtschaft und mit ihr von der Demokratie abwandten.

Gescheitert sah Drucker aber auch den revolutionären Sozialismus, der ebenfalls nur ökonomisch argumentierte und nach dem Scheitern des sowjetischen Experiments keine gesellschaftliche Alternative mehr bieten konnte. In dieses Wertevakuum stießen Faschismus und Nationalsozialismus, die eine gesellschaftliche Ordnung versprachen, die nicht mehr vom Markt und von ökonomischen Faktoren abhängig war. Der "homo oeconomicus" von Adam Smith wurde vom "heroischen Menschen" als kollektives Leitbild abgelöst; gesellschaftliches Ansehen wurde nicht mehr durch soziale Herkunft und Einkommen bestimmt, sondern durch künstlich angelegte Hierarchien und ihre Insignien.

>> Winston Churchills Lob für Druckers Analyse des Faschismus

 
 



Peter Druckers Ehefrau Doris zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit