Biographie
Wie Drucker in Claremont lebt und arbeitet

 
 
Das, was Drucker als Autor auszeichnet und erfolgreich macht - sein interdisziplinärer Denkansatz, das Vermeiden eines akademischen Jargons, der augenfällige Verzicht auf Fussnoten - macht ihn auf akademischer Ebene bei so manchen Kollegen suspekt.

Dennoch hatte er auch hier Erfolg: Von 1950 bis 1972 war Drucker Professur für Management an der New York University. Lehraufträge wurden ihm auch von Harvard, Yale, Princeton und Standford angeboten, doch Drucker lehnte stets ab. Seine Liebe galt von jeher den kleineren Universitäten und Colleges, was ihn Anfang der Siebzigerjahre auch bewogen hat, nach Kalifornien an die Claremont Graduate University zu wechseln.

Gemeinsam mit seiner Frau Doris lebt Drucker seitdem in Claremont, einem kleinen Stück New England inmitten der wüsten Landschaft im Großraum Los Angeles. Drucker schätzt das milde Klima in den Wintermonaten und die abwechslungsreiche Landschaft: Es gibt mehrere Arten von Wüste in der Umgebung, der Nationalpark Joshua Tree ist in der Nähe und auch die Berge sind nicht weit - Drucker war sein Leben lang ein leidenschaftlicher Bergsteiger, der schon als Kind und Jugendlicher mit seinen Eltern in den Dolomiten geklettert ist; erst vor wenigen Jahren mussten er und seine Frau das Bergsteigen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Peter und Doris Drucker wohnen in Campus-Nähe, in einem gepflegten Einfamilienhaus, das die Redakteure von Forbes 1997 in ihrer Titelgeschichte über Drucker als "utterly unpretentious" beschrieben haben. Hier, in einem geräumigen, lichtdurchfluteten Arbeitszimmer entstehen die Artikel und Bücher von Peter F. Drucker. Anders als seine Frau, die als Unternehmerin tätig ist und in ihrem Arbeitszimmer einen Computer stehen hat, arbeitet Peter Drucker immer noch auf einer Schreibmaschine.

Auch in seinem 93. Lebensjahr ist Drucker unvermindert produktiv: Erst vor wenigen Monaten ist auf dem englischsprachigen Markt der Sammelband "The Essential Drucker" erschienen, für den Drucker selbst eine repräsentative Auswahl aus seinem umfangreichen publizistischen Werk vorgenommen hat. Im letzten Jahr hat Drucker an drei großen Aufsätzen gearbeitet: "Globalization - What is all the fuss about" wird wahrscheinlich in "The Atlantic Monthly" veröffentlicht werden; "People are Our Greatest Liability" (ein Wortspiel auf das im Personalmanagement weitverbreitete Mantra "People are our greatest assets") wird voraussichtlich in der "Harvard Business Review" erscheinen. Der dritte Essay trägt den programmatischen Titel "The Next Society" und wurde bereits Anfang November 2001 im englischen "Economist" publiziert. "The Next Society" wird auch der Titel des nächsten Essay-Bandes von Drucker sein, der im Frühjahr 2002 herauskommen wird.

Druckers letztes Buch "Management Challenges for the 21st Century" (dt.: "Management im 21. Jahrhundert") erschien 1999 knapp vor seinem 90. Geburtstag. Er befaßt sich darin vor allem mit den Auswirkungen der neuen Informationstechnologien und der Kunst des Selbstmanagements. Letzteres ist für Drucker von immer größerer Wichtigkeit, da in Zukunft die Mitarbeiter ihre Unternehmen oder ihre Organisationen überleben werden und lebenslanges Lernen von neuen Fähigkeiten und Berufen für die meisten Menschen zur Regel werden wird.

"Das Selbstmanagement ist eine Revolution des menschlichen Verhaltens. Dem einzelnen und vor allem dem Wissensarbeiter wird ein neues Verhalten, für das es keine Präzedenzfälle gibt, abverlangt, mit der Konsequenz, dass jeder Wissensarbeiter denkt und handelt wie der Vorstandsvorsitzende einer Aktiengesellschaft."

>> Drucker als Unternehmensberater

 
 



Druckers "utterly unpretentious" Haus in Claremont