Biographie
Drucker als Kritiker des Kapitalismus

 
 
Dass Druckers Einfluss weit über die Wall Street und Washington hinausgeht, beweist auch der Umstand, dass ihm der "Millennium Whole Earth Catalog", das wichtigste Referenzwerk der amerikanischen Alternativkultur, einen langen Eintrag widmet. Auch dieser Umstand überrascht nicht, denn Drucker lehrt, dass es in einer "Gesellschaft der Organisationen" keinen Bereich gibt, der ohne Management auskommt.

Das betrifft auch und gerade Non-Profit-Organisationen, deren Geldgeber heute nicht mehr die guten Absichten, sondern die Leistung und Effektivität honorieren. Die Förderung von Non-Profit-Organisationen, vor allem im sozialen Sektor, ist Drucker ein persönliches Anliegen. Seit langem schon berät er unentgeltlich gemeinnützige und karitative Organisationen, die für ihn wesentlich zum Funktionieren einer zivilen und solidarischen Gesellschaft beitragen.

Die Einheit von Effektivität und Ethik mahnt Drucker aber auch in der Privatwirtschaft ein. Einen aggressiven, soziale Aspekte außer Acht lassenden Kapitalismus verfolgt er mit Sorge: "Das freie Unternehmertum läßt sich nicht dadurch rechtfertigen, dass es dem Geschäft dient. Es läßt sich nur dadurch rechtfertigen, dass es der Gesellschaft dient."

Dennoch hält Drucker die freie Marktwirtschaft für das beste System zur Sicherung von Demokratie und Menschenrechten vor politischem Extremismus. Und er ist optimistisch, dass die heutige Gesellschaft die rasanten sozialen und technologischen Veränderungen bewältigen wird: "Wir haben zwei Weltkriege, eine Weltwirtschaftskrise, einen Hitler, einen Stalin und einen Mao überlebt und uns von ihnen erholt. Wir sind krisenfest geworden und haben gelernt, dass eine Krise nicht gleich das Ende der Welt bedeutet. Gesellschaft und Wirtschaft sind heute sehr flexibel und können schnell auf Veränderungen reagieren. In der Zwischenkriegszeit war das ganz anders. Damals haben die Menschen nur in der Vergangenheit gelebt. Heute blicken die Menschen in die Zukunft, rollen die Ärmel hoch und überlegen: Wie können wir die Probleme lösen?"

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Eingang zur "Peter F. Drucker Graduate School of Management" im kalifornischen Claremont