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Der Titel seiner Vorlesung im Herbstsemester 1999 lautet: "The Effective Decision". Peter Drucker hält sich bereits einige Zeit vor Beginn der Vorlesung im Hörsaal auf. Er trägt eine helle Leinenhose, ein kariertes Hemd und eine blaue Baseballjacke. Das Ungezwungene in Druckers Kleidung spiegelt sich auch in seinem Auftreten: Er unterhält sich mit Studenten, signiert Bücher und isst mit sichtlichem Vergnügen Donuts, die seine Assistenten für ihn vorbereitet haben.
Schauplatz des Geschehens ist ein Hörsaal der "Peter F. Drucker Graduate School of Management" in Claremont, einem kleinen Universitätsstädtchen eine knappe Autostunde östlich von Los Angeles. Jeden Samstag zwischen 1 und 4 Uhr hält Drucker in diesem Semester hier seine Vorlesung vor den etwa siebzig Studenten der Advanced Executive Management Class. Viele der Studenten sind bereits über vierzig und verfügen über Berufserfahrung; einige, wie eine Gruppe junger Inder, sind von weit her gekommen, um Drucker zu hören.
Drucker versteht Management im traditionellen Sinne als "liberal art", als Fach, das Brücken zwischen verschiedenen akadamischen Disziplinen schlägt. Dieser interdisziplinäre Ansatz Druckers findet seinen Ausdruck auch in der Auswahl des Lehrpersonals und im Lehrplan der "Drucker Management School". Auch "The Effective Decision" beschränkt sich nicht nur auf den Bereich der Wirtschaft - in der Woche unseres Besuches diskutierte Drucker mit seinen Studenten eine Entscheidung von Präsident Johnson in der Frühphase des Vietnamkrieges. Drucker forderte die Studenten auf, sich nur mit dem Prozeß der Entscheidungsfindung und nicht mit der dahinterliegenden Problemlage zu befassen: "Don't try to solve it, try to understand it."
Drucker ist ein leidenschaftlicher und auch erfahrener Lehrer. Wissen wird durch ihn auch scheinbar beiläufig vermittelt, etwa durch Anekdoten, deren Pointen er gekonnt setzt. Immer wieder versuchte Drucker im Verlauf der Vorlesung, die Studenten aktiv einzubinden und selbst zu Wort kommen zu lassen. Mit gutem Grund: die älteren Studenten verfügen bereits über Berufserfahrung und können den jüngeren Studenten aus ihrer Managementpraxis berichten. Mehrmals richtete Drucker auch direkte Fragen an das Auditorium. Die Antworten wurden dann von einem Studenten in der ersten Reihe langsam und laut wiederholt, damit Drucker, der zwei Hörgeräte trägt, sie auch versteht.
Bemerkenswert ist die Vielfalt an Themen, die Drucker im Verlauf einer Vorlesung berührte, ohne dabei je den Bezug zum eigentlichen Thema zu verlieren. In der aktuellen Stunde etwa sprach Drucker innerhalb kurzer Zeit: von seinen eigenen Erfahrungen als Berater des US-Verteidigungsministeriums, über eine Anmerkung Winston Churchills zu einer kriegsentscheidenden Schlacht des Ersten Weltkriegs, über die erfolglosen Versuche von General Motors, die japanische Autoindustrie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, sowie über den Architektur-Visionär Buckminster Fuller und den Medien-Theoretiker Marshall McLuhan, mit denen Drucker eng befreundet gewesen ist, noch ehe beide zu Weltruhm gelangten.
>> Marshall McLuhan über Peter Drucker
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